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Auf einen Kaffee… mit dem Förster Urs Gsell

Was haben ein Förster, ein Kaufvertrag von 1605 aus dem aargauischen Hirschthal und Wildkaffee gemeinsam? Die Liebe zum Wald, natürlich. Für 2000 Gulden kauften die Bürger von Hirschthal 1605 den Bernern ein Stück Wald ab. Vierhundert Jahre später wurde dieses Ereignis zum Anlass eines grossen und grossartigen dreiwöchigen Wald-Festes mit über 50’000 Besucherinnen und Besuchern. Getragen von der einmaligen Atmosphäre, der positiven Stimmung und einem grossartigen Support aus der Bevölkerung entschliesst sich das OK,sich in einem Nachfolgeprojekt zu engagieren und einen Treffpunkt für Natur, Kultur und ungezwungenes Beisammensein zu schaffen, die Biberburg. Dieser in seiner Art wohl einzigartige Ort lädt zu einer kleinen Auszeit von der Hektik des Alltags ein. Perfekt also für eine Tasse Kaffee mit Urs Gsell, Förster und Präsident des Vereins.

Es gibt so Momente im Leben, da stimmt einfach alles. Genauso lief es bei dieser Idee, erzählt Urs Gsell. Eines Abends entschied sich der Verein wie nun dieses naturnahe und nachhaltige Projekt verständlich und konkret umgesetzt werden sollte: mit einem Gastrolokal in einem Bau, der der Tierwelt nachempfunden ist. Ein Kulturort eingebettet in natürlicher Umgebung. Nun musste nur noch das entsprechende Stück Land dazu gefunden werden. Keine 24 Stunden später schenkte ein lokaler Unternehmer dem Verein eine an der Suhr gelegene Parzelle im Baurecht. Nach tausenden Stunden Fronarbeit und mit tatkräftiger Unterstützung aus der Waldbaubranche des Suhrentals und der gesamten Bevölkerung konnte 2009 die Generationen verbindende Biberburg eröffnet werden. 95% der Baumaterialien stammen aus einem Umkreis von höchstens fünf Kilometern. Regionalität wird hier gelebt.

Dies gilt natürlich auch für den Gastrobereich. Der bei Gross und Klein beliebte, nur Donnerstag und Freitag-Abend geöffnete Feierabendtreff zieht Sommer wie Winter viele Familien an, die vor allem die speziellen Brötli schätzen. Regionale Produkte sind meist teurer, erklärt Urs Gsell, aber besser und wir unterstützen so das lokale Handwerk. So bleibt die Wertschöpfung in der Region und verschwindet nicht irgendwo in einer Steueroase eines multinationalen Unternehmens. Zweimal pro Woche im Schnitt wird die Biberburg, die Raum für 20 – 80 Personen bietet, für Seminare und/oder Feiern gebucht und erwirtschaftet damit in etwa gleichviel wie der Donnerstags und Freitags geöffnete Gastrobetrieb. Im Sommer sitzt man gemütlich auf der Terrasse, im Winter wärmt man seine Seele im mit viel Holz ausgestatteten, heimeligen Inneren der Biberburg, am Cheminéefeuer oder der Baumstammbar.

 

Mit dem im Gastrobereich erwirtschafteten Gewinn werden die kulturellen Anlässe subventioniert und was danach noch übrigbleibt ging in den letzten Jahren als Unterstützung an ein weiteres Waldprojekt, den Bruno Manser-Fonds. Damit ist auch die kulturelle Linie gegeben, es geht um Natur, um Wald und um Regionales. In den letzten sieben Jahren fanden 70 verschiedene Konzerte und Vorträge statt, die alle immer gut besucht sind. Woher kommt dieser Erfolg wollten wir wissen. Urs Gsell erklärt ihn damit, dass sie nicht nur einen Ort erschaffen haben zum Loslassen, der gefüllt ist mit guter Energie sondern auch, dass die Vorträge und Filme immer positiver Natur sind, lösungsorientiert. In diesen sieben Jahren hätten sie sich einen guten Ruf erarbeitet, das sei nicht einfach, weil man mit dem Thema Natur schnell ins Spannungsfeld von Wissenschaft und Esoterik gerät. Es sei aber immer spannend, weil Themen wie der Wald als Kraftort oder durch Wurzelgeflecht kommunizierende Bäume vor einigen Jahren noch als Spinnertum abgetan, in der Zwischenzeit aber wissenschaftlich nachgewiesen werden konnten. Bei den Konzerten gäbe es viele gute regionale Bands die immer wieder mal gerne kommen, sei es Country, Blues oder Jazz und auch eine Stubete gibt es einmal pro Jahr.

Wir erben die Erde nicht von unseren Ahnen –
sondern borgen sie von unseren Kindern.
Antoine de Saint-Exupéry

Nach diesem Motto richtet sich das ganze Engagement des Vereins. Das Bewusstsein soll gefördert werden, dass die Natur uns viel positive Energie gibt und wir ihr Sorge tragen müssen. Das Ökosystem Wald spielt dabei eine tragende Rolle und hat uns noch lange nicht all seine Geheimnisse preisgegeben. Diese immer wieder aufs Neue zu entdecken, lädt die Biberburg auf entspannte Art ein. Wir wollten von Präsidenten wissen, woher er nach sieben Jahren immer noch die Motivation hole, dieses doch ziemlich aufwendige Ehrenamt weiter zu bekleiden. Zum einen, meint er vergnügt, sind dies die immer wieder spannenden Begegnungen in der Biberburg und die Wertschätzung die der Verein in der Region erhält, zum anderen auch der Wunsch, den Verein etwas zu verjüngen, das könne aber nicht mit dem Brecheisen geschehen sondern müsse organisch wachsen. Dazu braucht es Zeit. Was er denn noch für Ziele habe, ist unsere abschliessende Frage. Etwas am Leben zu erhalten sei einiges schwieriger findet Gsell, als etwas aufzubauen, steigt in seinen Geländewagen und fährt zur Arbeit. Die Zeit, die man zwischen Bäumen verbringt ist nie verlorene Zeit …

Die Biberburg heisst sie jeweils

Donnerstags von 17 – 24 Uhr und
Freitags von 16 – 01 Uhr herzlich willkommen

Sie befindet sich unweit der Autobahnausfahrt Aarau West und ist auch mit den ÖV gut erreichbar.
Achtung, vom 21. Juli bis 6. August machen die Biber Ferien.

2017-09-26T22:09:36+00:00